Softshell-Stoff: wasserdicht oder nicht?
Softshell wird im Laden gern als Regenstoff verkauft. Das stimmt nicht, und der Unterschied zwischen wasserabweisend und wasserdicht ist keine Wortklauberei, sondern eine Zahl. Hier steht, was Softshell wirklich kann und wie du ihn vernähst.
Ich habe meiner Nichte eine Softshelljacke genäht und ihr dabei versprochen, dass sie damit trocken bleibt. Beim ersten richtigen Regen kam sie durchweicht nach Hause. Nicht weil ich schlecht genäht hätte, sondern weil ich Softshell falsch eingeschätzt hatte. Diese Verwechslung passiert ständig, und sie lässt sich mit einer einzigen Zahl auflösen.
Nimm bei Softshell Stoffclips statt Stecknadeln. Jeder Nadeleinstich hinterlässt ein dauerhaftes Loch im Laminat, und an einer Stelle, wo du dich beim Stecken vertan hast, tropft später das Wasser durch. Das lässt sich hinterher nicht mehr reparieren.
Was ist Softshell und wie ist er aufgebaut?
Softshell ist kein einzelner Stoff, sondern ein Laminat. Mehrere Schichten werden miteinander verklebt und ergeben zusammen ein Material, das keine der Einzelschichten allein leisten könnte.
Außen liegt ein dicht gewebtes, meist aus Polyester bestehendes Gewebe mit wasserabweisender Ausrüstung. Innen sitzt in aller Regel ein Fleece, das wärmt und Feuchtigkeit von der Haut wegleitet. Zwischen beiden kann eine Membran liegen, muss aber nicht, und genau daran hängt der wichtigste Unterschied zwischen den Varianten.
Was heißt das für den Kauf? Zweilagiger Softshell ohne Membran ist weicher, elastischer und atmungsaktiver, schützt aber weniger vor Wind und Nässe. Dreilagiger Softshell mit Membran ist windabweisend und hält mehr Wasser ab, fällt dafür steifer aus. Für Kinderjacken greifen die meisten zur dreilagigen Variante, für Radbekleidung und Sportteile eher zur zweilagigen.
Die Außenausrüstung trägt einen eigenen Namen: DWR, kurz für durable water repellent. Das ist keine Schicht im Sinne des Laminats, sondern eine Behandlung der Fasern, die Wassertropfen abperlen lässt statt sie einziehen zu lassen. Sie ist Verschleißteil und nutzt sich mit jeder Wäsche und jeder Reibung ab, weshalb Softshelljacken nach ein bis zwei Saisons nachimprägniert werden wollen. Wie das geht, steht weiter unten.
Wasserdicht oder wasserabweisend: die Zahl dazu
Softshell ist wasserabweisend, nicht wasserdicht. Der Unterschied ist messbar und heißt Wassersäule, angegeben in Millimetern.
Nach europäischer Norm gilt ein Material ab 800 Millimetern Wassersäule als wasserdicht. Typische Softshell-Stoffe liegen bei etwa 100 bis 500 Millimetern, also deutlich darunter. Eine Hardshell-Regenjacke erreicht dagegen mehrere Tausend Millimeter. Softshell schafft es also nicht einmal in die Nähe der Grenze, und das ist kein Qualitätsmangel, sondern Absicht.
| Material | Wassersäule (typisch) | Praktisch heißt das |
|---|---|---|
| Softshell | etwa 100 bis 500 mm | Nieselregen und kurze Schauer |
| Grenzwert Norm | 800 mm | ab hier gilt wasserdicht |
| Regenjacke einfach | ab etwa 1.500 mm | normaler Regen |
| Hardshell Outdoor | 5.000 mm und mehr | Dauerregen, Sitzen auf nassem Boden |
Wichtig ist dabei, dass die Wassersäule nur den Stoff misst, nicht das fertige Kleidungsstück. Reißverschlüsse, Nähte und Taschenöffnungen sind Schwachstellen, die in keinem Labortest auftauchen. Eine Jacke ist deshalb immer weniger dicht als der Stoff, aus dem sie besteht.
Wo liegt die Grenze im Alltag? Beim Weg zur Schule im Nieselregen bleibt eine Softshelljacke außen feucht und innen trocken. Bei einer Stunde Dauerregen drückt das Wasser durch, zuerst an den Schultern und an den Nähten, weil dort der Druck am höchsten ist. Und wenn ein Kind sich im Nassen auf den Boden setzt, ist Softshell sofort überfordert, weil Körpergewicht den Wasserdruck vervielfacht.
Softshell oder Hardshell?
Die beiden Materialien lösen unterschiedliche Probleme. Hardshell schützt maximal, Softshell trägt sich maximal angenehm, und einen Stoff, der beides gleichzeitig kann, gibt es nicht.
| Kriterium | Softshell | Hardshell |
|---|---|---|
| Wasserschutz | abweisend | wasserdicht |
| Atmungsaktivität | hoch | eingeschränkt |
| Elastizität | dehnbar | steif |
| Wärme | durch Innenfleece vorhanden | keine, reine Schutzschicht |
| Geräusch | leise | raschelt |
| Beste Bedingung | trocken bis leicht feucht, in Bewegung | Dauerregen, Sturm |
Und was nimmt man wann? Softshell für den Alltag, den Kindergarten, den Übergang und für alles mit Bewegung. Hardshell für Bergtouren, Dauerregen und lange Aufenthalte im Nassen. Viele Familien haben beides und wählen morgens nach Wetter. Wer nur eines nähen will, kommt mit Softshell durch mehr Tage im Jahr, muss aber bei echtem Regen einen Schirm dazunehmen.
Atmungsaktivität und Temperaturbereich
Die Atmungsaktivität ist der eigentliche Grund, warum Softshell existiert. Weil auf vollständige Dichtheit verzichtet wird, kann deutlich mehr Wasserdampf von innen nach außen entweichen.
Warum ist das wichtig? Wer sich bewegt, produziert Feuchtigkeit. Unter einer Hardshell sammelt sich diese Feuchtigkeit an der Innenseite und kondensiert dort, und dann ist man von innen nass, obwohl von außen kein Tropfen durchgekommen ist. Softshell lässt den Dampf durch, bevor das passiert. Genau deshalb tragen Wanderer im Aufstieg Softshell und ziehen die Hardshell erst an, wenn es tatsächlich regnet.
Die Atmungsaktivität hat allerdings eine Bedingung: Sie funktioniert nur, solange die Außenseite trocken ist. Sobald sich das Gewebe außen vollsaugt, weil die Imprägnierung nachgelassen hat, blockiert der Wasserfilm den Dampfdurchgang von innen. Der Stoff fühlt sich dann klamm an, obwohl technisch nichts kaputt ist. Genau deshalb bringt eine Nachimprägnierung nicht nur mehr Nässeschutz, sondern auch das ursprüngliche Klimagefühl zurück.
Der übliche Temperaturbereich liegt etwa zwischen 5 und 15 Grad, mit dreilagiger Ware auch darunter. Nach oben endet er dort, wo das Innenfleece zu warm wird, nach unten dort, wo eine echte Isolationsschicht fehlt. Für tiefen Winter kombinierst du Softshell mit einer wärmenden Zwischenschicht oder greifst gleich zu Wollwalk.
Softshell nähen: Nadel, Stichlänge und Führung
Softshell ist dicht und mehrlagig, deshalb entscheidet die Nadel über das Ergebnis. Nimm eine Microtex-Nadel in Stärke 80 oder 90.
Was macht diese Nadel anders? Sie hat eine besonders schlanke, scharfe Spitze und durchsticht die dichten Fasern sauber, statt sie zur Seite zu drängen. Eine Universalnadel produziert dagegen sichtbar größere Löcher, und die bleiben. Die Stichlänge stellst du auf 3,5 bis 4 Millimeter, denn kürzere Stiche setzen mehr Löcher pro Zentimeter und schwächen damit genau die Naht, die dicht bleiben soll.
| Einstellung | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Nadel | Microtex 80 oder 90 | saubere kleine Einstiche |
| Stichlänge | 3,5 bis 4 mm | weniger Perforierung der Naht |
| Fixierung | Stoffclips | Stecknadeln hinterlassen bleibende Löcher |
| Nähfuß | Teflon- oder Rollfuß | Laminat klebt am Standardfuß |
| Garn | Polyester | reißfest und feuchtigkeitsunempfindlich |
| Bügeln | nur mit Tuch, niedrige Stufe | Membran und Fleece schmelzen |
Reißverschlüsse verdienen bei Softshell besondere Aufmerksamkeit, weil sie in Jacken fast immer vorkommen und die Naht dort mehrlagig wird. Nimm einen Reißverschlussfuß und näh langsam, denn der Standardfuß kippt an der Kante des Bandes und produziert dann eine schiefe Naht. Bei dickem dreilagigem Material hilft es, die Nahtzugabe vorher mit Stoffkleber vorzufixieren, statt sie mit Clips in Position zu halten.
Der zweite Stolperstein ist der Transport. Die glatte Außenseite rutscht unter dem Standardnähfuß und bleibt gleichzeitig kleben, was zu ungleichmäßigen Stichen führt. Ein Teflonfuß oder ein Rollfuß löst das sofort. Wenn du keinen hast, hilft ein Streifen Seidenpapier zwischen Fuß und Stoff, den du danach abreißt. Wie du die Grundeinstellungen deiner Maschine dafür prüfst, steht in den Nähmaschinen-Basics.
Nähte bei Softshell: dicht bekommen oder nicht?
Eine Naht ist immer die schwächste Stelle, weil jeder Stich ein Loch ist. Bei Hardshell-Jacken werden die Nähte deshalb industriell mit Nahtband verschweißt, und genau das lässt sich zu Hause nicht ohne Weiteres nachbauen.
Muss es überhaupt sein? Bei Softshell in aller Regel nicht. Der Stoff ist ohnehin nicht wasserdicht, deshalb bringt eine abgedichtete Naht in einem nicht dichten Material wenig. Sinnvoll ist stattdessen, die Anzahl der Nähte gering zu halten und dort, wo Wasser am ehesten steht, also an Schultern und Kapuze, mit möglichst wenigen Teilungsnähten zu arbeiten.
Ein Sonderfall sind Kapuzen und Schulterpartien, denn dort trifft Regen senkrecht auf. Wenn du an einer Jacke überhaupt etwas abdichtest, dann diese beiden Stellen und nichts anderes. Der Aufwand bleibt überschaubar, und der Effekt ist an genau den Stellen spürbar, an denen Wasser zuerst durchkommt.
Wer trotzdem mehr Schutz will, hat zwei praktikable Wege. Erstens Nahtband zum Aufbügeln, das es im Outdoor-Zubehör gibt und das mit einem Bügeleisen auf niedriger Stufe und einem Trennpapier aufgebracht wird. Zweitens flüssiger Nahtdichter, der von innen auf die Stichlöcher aufgetragen wird und dort aushärtet. Beides ist Handarbeit und lohnt nur bei Teilen, die wirklich Wetter abbekommen. Für eine Kindergartenjacke sind beide Varianten Aufwand ohne spürbaren Gewinn.
Was kann man aus Softshell nähen?
Der Klassiker sind Kinderjacken und Matschhosen. Das Material verzeiht viel, franst nicht aus und lässt sich abwischen, was im Kindergartenalltag mehr wert ist als jede Wassersäule.
Darüber hinaus funktionieren Overalls, Westen, Hundemäntel, Radhosen und Taschen gut. Bei Taschen ist der Innenfleece sogar ein Vorteil, weil er empfindlichen Inhalt polstert. Wofür ist Softshell dagegen ungeeignet? Für alles, was direkt auf der Haut liegt, weil der Fleece dort schnell zu warm wird, und für eng anliegende Teile mit viel Dehnungsbedarf, weil die Elastizität begrenzt bleibt.
Warum ist gerade Kinderkleidung die Paradedisziplin? Weil Kinder ständig in Bewegung sind und dabei mehr Wärme und Feuchtigkeit produzieren als Erwachsene. Unter einer dichten Regenjacke wird ein tobendes Kind innerhalb von zwanzig Minuten von innen nass, unter Softshell nicht. Dazu kommt, dass Softshell Stürze auf Kies und Asphalt gut wegsteckt und sich Matsch nach dem Trocknen abbürsten lässt.
Ein Punkt zum Schnittmuster: Softshell trägt an den Nähten deutlich auf. Schnitte mit vielen kleinen Teilen, aufgesetzten Taschen und schmalen Rundungen werden dick und unhandlich. Such dir Schnitte, die für Softshell ausgewiesen sind, oder wähle einen mit wenigen großen Teilen.
Softshell waschen und imprägnieren
Wasch Softshell bei 30 Grad im Schonwaschgang mit Flüssigwaschmittel, ohne Weichspüler. Der Weichspüler ist dabei der kritische Punkt, weil er sich auf die Fasern legt und die wasserabweisende Ausrüstung außer Kraft setzt.
Woran merkst du, dass die Imprägnierung nachlässt? Daran, dass Wasser nicht mehr abperlt, sondern in den Stoff einzieht und dunkle Flecken bildet. Dann wird es Zeit für eine Nachimprägnierung, entweder als Spray oder als Waschmaschinenmittel. Vorher muss die Jacke sauber sein, weil sich das Mittel sonst auf Schmutz statt auf Fasern legt.
Wie oft ist Waschen nötig? Seltener, als man denkt, denn jede Wäsche kostet Imprägnierung. Oberflächlicher Schmutz lässt sich abbürsten, sobald er trocken ist, und Flecken tupfst du mit lauwarmem Wasser und etwas Flüssigwaschmittel punktuell ab. In die Maschine gehört eine Softshelljacke erst, wenn sie insgesamt verschmutzt ist oder wenn die Imprägnierung ohnehin erneuert werden soll, denn dann erledigst du beides in einem Durchgang.
Und Trockner? Lieber nicht, obwohl viele Imprägniermittel Wärme zur Aktivierung brauchen. Sicherer ist niedrige Hitze mit dem Bügeleisen durch ein Tuch oder ein Trocknerdurchgang auf der schonendsten Stufe, wenn das Pflegeetikett ihn ausdrücklich erlaubt. Membran und Klebeschichten vertragen keine hohen Temperaturen.
Häufige Fragen zu Softshell
Ist Softshell wasserdicht?
Nein, Softshell ist wasserabweisend. Typische Softshell-Stoffe erreichen eine Wassersäule von etwa 100 bis 500 Millimetern, während ein Material erst ab 800 Millimetern nach europäischer Norm als wasserdicht gilt. Für Nieselregen und kurze Schauer reicht das, bei Dauerregen weicht Softshell durch.
Was ist Softshell für ein Material?
Softshell ist kein einzelner Stoff, sondern ein Laminat aus mehreren Schichten. Außen liegt ein robustes, wasserabweisend ausgerüstetes Gewebe, innen meist ein Fleece, und bei dreilagigen Varianten sitzt dazwischen eine Membran. Die Schichten werden verklebt, deshalb spricht man von Laminat.
Was ist der Unterschied zwischen Softshell und Hardshell?
Hardshell ist wasserdicht, winddicht und steif, Softshell ist wasserabweisend, elastisch und deutlich bequemer. Hardshell schützt bei Dauerregen, Softshell ist der Allrounder für trockene bis leicht feuchte Bedingungen und punktet mit Atmungsaktivität und Bewegungsfreiheit.
Welche Nadel braucht man für Softshell?
Eine Microtex-Nadel in Stärke 80 oder 90. Sie hat eine sehr schlanke, scharfe Spitze, die die dichten Fasern durchsticht statt sie zu verdrängen. Universalnadeln hinterlassen in Softshell sichtbar größere Löcher, und diese Löcher schließen sich nicht wieder.
Ist Softshell atmungsaktiv?
Ja, und das ist sein Hauptvorteil gegenüber Hardshell. Weil auf vollständige Wasserdichtigkeit verzichtet wird, kann deutlich mehr Wasserdampf nach außen entweichen. Deshalb eignet sich Softshell gut für Aktivitäten mit Bewegung, bei denen man unter einer Hardshell schnell von innen nass wird.
Was kann man aus Softshell nähen?
Typisch sind Jacken, Matschhosen, Overalls und Westen, vor allem für Kinder. Auch Radhosen, Hundemäntel und Taschen funktionieren gut. Nicht geeignet ist Softshell für alles, was direkt auf der Haut liegt oder eng anliegend viel Dehnung braucht.