Rollsaum mit Overlock nähen
An der Overlock ist der Rollsaum die schnellste Methode: Messer, Einrollen und Fadenabschluss passieren in einem Durchgang. Vorher musst du allerdings zwei Dinge umstellen, sonst rollt sich überhaupt nichts ein.
Mein erster Overlock-Rollsaum war ein flacher Zickzackstreifen ohne jede Rolle. Der Grund war banal: Ich hatte den Stichfinger drin gelassen. Er hält die Kante absichtlich flach, damit normale Versäuberungsnähte breit und stabil werden, und genau das verhindert den Rollsaum.
Näh die Einstellung an einem Reststreifen ein, bevor du an das Projekt gehst, und lass diesen Streifen liegen. Ich schreibe mit Bleistift die Spannungswerte darauf und hefte ihn an die Maschine. Beim nächsten Rollsaum bin ich damit in zwei Minuten wieder eingerichtet statt in zwanzig.
Was du an der Overlock umstellen musst
Zwei Dinge: die linke Nadel raus und den Stichfinger weg. Ohne die linke Nadel nähst du mit drei Fäden, die Naht wird schmal. Der Stichfinger, bei manchen Herstellern Stichbreitenzunge genannt, hält die Kante flach und muss weg oder weggeklappt werden, damit sich der Stoff um die Fadenkante rollen kann. Viele neuere Maschinen haben dafür einen Hebel oder eine umstellbare Stichplatte mit der Markierung R.
Danach kommen Stichlänge und Spannung. Stichlänge kurz auf 1 bis 1,5 Millimeter, Stichbreite schmal auf etwa 2 Millimeter. Die Untergreiferspannung ziehst du deutlich fester an, denn sie zieht die Stoffkante nach unten und formt die Rolle. Der Obergreifer bleibt locker, damit der Faden die Kante schön überdeckt.
| Einstellung | Wert | Wirkung |
|---|---|---|
| Nadeln | nur rechte Nadel, 3 Fäden | schmale Naht |
| Stichfinger | entfernt oder Platte auf R | Kante kann sich einrollen |
| Stichlänge | 1 bis 1,5 mm | dichte Fadendecke |
| Stichbreite | ca. 2 mm | bestimmt die Rollenbreite |
| Untergreiferspannung | deutlich fester | zieht die Kante ein |
| Differential | 1,0 für glatte Säume | keine Längung |
Bauschgarn macht die Kante erst dicht
Bauschgarn, oft als Woolly Nylon verkauft, gehört in den Obergreifer. Es ist texturiert und fächert beim Nähen auf, dadurch deckt es die Stoffkante vollständig ab. Nadel und Untergreifer laufen mit normalem Overlockgarn weiter.
Nähst du alles mit Standardgarn, bleibt die Fadendecke offen und der Stoff schimmert durch. Bei einem dunklen Chiffon mit weißem Kern sieht man das sofort. Beim Einfädeln von Bauschgarn hilft eine Pinzette, weil das Garn so weich ist, dass es sich beim Durchziehen aufplustert und in der Führung hängt.
Rollsaum oder Rollnaht: was die Overlock unterscheidet
Der Unterschied liegt allein in der Stichlänge. Stellst du sehr kurz ein, wird die Fadendecke geschlossen und du nähst eine Rollnaht. Bei etwas längerer Stichlänge bleibt die Decke offener, einzelne Stiche sind sichtbar, und das nennt man Rollsaum.
Welche Variante willst du? Für Schals, Tücher und alles mit sichtbarer Kante nimm die dichte Rollnaht, sie wirkt fertiger. Für einen unauffälligen Saum an einem Kleid reicht der offenere Rollsaum, er ist außerdem etwas weicher im Griff.
Ecken und rundgeschlossene Säume beenden
An einer Ecke nähst du geradeaus über die Kante hinaus und lässt eine Fadenkette entstehen. Dann drehst du das Teil, legst die nächste Kante an und nähst weiter. Die überstehenden Fadenketten ziehst du am Ende mit einer Wollnadel in den Saum ein, damit sie nicht abstehen.
Bei einem rundgeschlossenen Saum, etwa am Rocksaum oder an einem Volant, nähst du ein bis zwei Zentimeter über den Anfang hinaus. Danach hebst du die Kante seitlich aus dem Messer, nähst eine Fadenkette aus und ziehst sie zurück in den Saum. Abschneiden allein hält nicht, der Saum öffnet sich beim ersten Waschen wieder.
Wellensaum, wenn du ihn willst
Ein bewusst gewellter Saum entsteht über den Differentialtransport. Stell ihn auf etwa 0,7, dann längt die Maschine die Kante beim Nähen und der Saum kräuselt sich zu einer Welle. An Volants, Tüllkanten und Halstüchern sieht das gewollt aus.
Wellt sich der Saum, obwohl du ihn glatt willst, liegt es fast immer am selben Regler in der anderen Richtung. Auf 1,0 stellen und nachprüfen. Bei dehnbarer Maschenware kann zusätzlich der Stoff selbst längen, dort führst du die Kante leicht zurückhaltend statt zu ziehen. Warum sich Maschenware an Kanten so verhält, steht unter Strickstoff.
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Kante rollt sich nicht ein | Stichfinger noch eingesetzt | Stichfinger entfernen oder Platte auf R |
| Stoff schimmert durch die Kante | kein Bauschgarn im Obergreifer | Bauschgarn einfädeln |
| Saum wellt unerwünscht | Differential unter 1,0 | auf 1,0 stellen |
| Kante wirkt löchrig | Stichlänge zu lang | auf 1 bis 1,5 mm verkürzen |
| Rolle fällt aus feinem Stoff heraus | Stoff zu leicht für die Einstellung | Untergreiferspannung erhöhen, Beilauffaden mitführen |
Zugabe und Messerabstand richtig wählen
Plan 1 bis 1,5 Zentimeter Saumzugabe ein, mehr brauchst du nicht. Das Messer schneidet beim Nähen ohnehin einen schmalen Streifen ab und erzeugt damit die frische, gerade Kante, die sich gleichmäßig einrollt. Zu knapp zugeschnitten hat das Messer nichts zu greifen, und die Kante bleibt ausgefranst im Saum sichtbar.
Führ den Stoff so, dass das Messer durchgehend ein bis zwei Millimeter wegnimmt. Bei Kurven, etwa am Rocksaum, drehst du das Werkstück langsam mit und lässt das Messer die Arbeit machen, statt den Stoff zu ziehen. Ziehen längt die Kante, und dann kommt die Welle zurück, die du über den Differential gerade abgestellt hast.
Bei kariertem oder gestreiftem Stoff lohnt ein Blick vor dem Nähen: Weil das Messer Material abnimmt, verschiebt sich die Musterkante um genau diese Breite. Wer eine Streifenkante exakt treffen will, schneidet die Zugabe vorher passend zu und schaltet das Messer aus.
Wann die Overlock nicht die richtige Wahl ist
Bei kurzen Strecken lohnt das Umrüsten nicht. Nadel ausbauen, Stichfinger entfernen, Spannungen neu einstellen und Bauschgarn einfädeln kostet mich rund fünfzehn Minuten, für 30 Zentimeter Saum ist das absurd. Da nähe ich lieber mit der Haushaltsmaschine.
Auch bei sehr dicken Stoffen bleibt die Overlock die falsche Antwort, weil sich Sweat oder Walk nicht zu einer 2 Millimeter schmalen Rolle formen lassen. Und wenn du die Kante später noch verändern willst, sei vorsichtig: Das Messer schneidet die Zugabe weg, ein Zurück gibt es nicht. Für die maschinenlose Variante geht es unter Rollsaum ohne Rollsaumfuß weiter, alle Methoden im Vergleich stehen unter Rollsaum nähen.
Häufige Fragen zum Overlock-Rollsaum
Was musst du an der Overlock für einen Rollsaum umstellen?
Die linke Nadel entfernen, sodass du mit drei Fäden nähst, und den Stichfinger beziehungsweise die Stichbreitenzunge wegnehmen. Ohne diese Umstellung kann sich die Stoffkante nicht einrollen, weil der Stichfinger sie flach hält. Viele Maschinen haben dafür einen Hebel oder eine umstellbare Stichplatte mit der Markierung R.
Welches Garn nimmst du für den Rollsaum an der Overlock?
Im Obergreifer Bauschgarn, auch Woolly Nylon genannt. Es fächert beim Nähen auf und deckt die Kante dicht ab. In Nadel und Untergreifer bleibt normales Overlockgarn. Wer alles mit Standardgarn näht, bekommt eine Kante, durch die der Stoff hindurchschimmert.
Wie beendest du einen rundgeschlossenen Rollsaum?
Näh über den Anfang ein bis zwei Zentimeter hinaus, hebe dann die Kante seitlich aus dem Messer und näh eine Fadenkette aus. Diese Kette ziehst du mit einer Wollnadel in den Saum zurück oder sicherst sie mit einem Tropfen Textilkleber. Einfach abschneiden reicht nicht, der Saum öffnet sich sonst beim Waschen.
Warum wellt sich der Rollsaum an der Overlock?
Meist steht der Differentialtransport unter 1,0, dann längt die Maschine die Kante bewusst. Bei glatten Säumen stellst du ihn auf 1,0. Für einen absichtlich gewellten Saum an Volants oder Tüllkanten drehst du ihn dagegen auf etwa 0,7 herunter.