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Nähanleitungen

Rollsaum mit Rollsaumfuß nähen

Der Rollsaumfuß hat vorne eine kleine Metallspirale, die Schnecke. Sie schlägt die Stoffkante zweimal ein, während du nähst. Der ganze Trick liegt darin, die Kante am Anfang hineinzubekommen und sie dann nicht mehr rauszulassen.

Nähmaschinenfuß im Detail auf hellem, leicht changierendem Stoff.

Mein erster Versuch mit dem Rollsaumfuß endete nach acht Zentimetern. Die Kante war draußen, die Naht lief ins Leere, und ich habe den Fuß erst mal wieder in die Schublade gelegt. Was mir damals niemand gesagt hat: Der Fuß braucht eine Starthilfe, sonst greift die Schnecke gar nicht.

Marlenes Tipp

Bügle die Saumkante vor dem Nähen einmal etwa 3 Millimeter breit um. Der Fuß nimmt eine vorgefaltete Kante deutlich williger an als eine glatte, und du verlierst sie später seltener aus der Spirale.

Welche Stoffe passen zum Rollsaumfuß?

Leichte, dünn gewebte Stoffe: Chiffon, Batist, feine Baumwollpopeline, Viskose und Seide. Alles, was du zwischen zwei Fingern zu einer dünnen Rolle drehen kannst, lässt sich auch von der Schnecke einrollen. Sobald der Stoff steht statt fällt, wird es schwierig.

Bei Jersey und anderer Maschenware klappt der Rollsaumfuß nur eingeschränkt, weil sich die Kante beim Ziehen längt und dann wellig aus dem Fuß läuft. Sweat, Canvas und Walk sind zu dick, dort nimmst du einen normalen umgeschlagenen Saum. Wenn du wissen willst, warum sich Webware und Maschenware an der Kante so unterschiedlich verhalten, steht das ausführlich unter Was ist Webware.

Fuß einsetzen und Maschine einstellen

Setz den Rollsaumfuß ein, wähl den Geradstich und stell die Stichlänge auf 2 bis 2,5 Millimeter. Nadel und Garn passen sich dem Stoff an: eine Microtex-Nadel in 60 oder 70 für Chiffon und Seide, eine Universalnadel in 70 für feine Baumwolle, dazu ein dünnes Polyestergarn.

Die Oberfadenspannung bleibt im normalen Bereich. Wird die Naht wellig, dreh sie um eine halbe Stufe zurück, statt an der Stichlänge zu drehen. Kontrollier außerdem, ob deine Saumzugabe schmal genug ist. Mehr als ein Zentimeter passt nicht durch die Spirale, den Rest schneidest du vorher weg.

EinstellungWertWarum
StichGeradstichhält die Rolle gleichmäßig geschlossen
Stichlänge2 bis 2,5 mmkürzer zieht Fältchen, länger öffnet die Rolle
NadelMicrotex 60 bis 70feine Spitze, keine Löcher im Gewebe
Saumzugabemax. 1 cmmehr passt nicht durch die Schnecke

Der Nahtanfang: so kommt die Kante in die Schnecke

Leg den Stoff unter den Fuß und näh zuerst zwei bis drei Stiche, ohne die Kante einzurollen. Damit hast du Fäden, an denen du ziehen kannst. Nadel oben lassen, Nähfuß anheben, Stoff samt Fäden nach hinten herausziehen. Jetzt schlägst du die Kante mit den Fingern schmal ein und ziehst sie mit Hilfe der Fäden in die Spirale, bis sie dort sitzt.

Danach Nähfuß senken und langsam weiternähen. Hältst du die Fäden dabei leicht straff, rutscht der Anfang nicht zurück. Klingt fummelig, ist es beim ersten Mal auch.

Wenn der Stoff so fein ist, dass er sich beim Ziehen verzieht, näh die ersten Zentimeter auf einem schmalen Streifen Seidenpapier mit. Das Papier gibt der Kante Halt und lässt sich hinterher an der Naht entlang abreißen. Ich mache das inzwischen bei jedem Chiffon, weil es zwei Minuten kostet und mir das Wiederaufnehmen der Naht erspart.

Nahaufnahme von Nähfuß und Nadel beim Einrollen einer feinen Stoffkante.

Gleichmäßig führen: die Kante nach oben und links halten

Führ die Stoffkante während des Nähens leicht nach oben und nach links, nicht gerade nach vorn. Nur so läuft ständig neuer Stoff in die Spirale nach und die Rolle bleibt gleich breit. Ziehst du gerade, flacht die Rolle ab und die Naht sitzt irgendwann neben der Kante.

Wie viel Spannung braucht es? Gerade so viel, dass der Stoff nicht durchhängt. Zu viel Zug längt die Kante, und dann wellt der fertige Saum. Näh langsam und halt lieber alle paar Zentimeter an, um nachzufassen, statt zu versuchen, eine ganze Bahn in einem Zug durchzuziehen.

Seitennähte und Ecken bewältigen

An einer quer verlaufenden Seitennaht wird die Kante plötzlich dicker und passt oft nicht durch die Spirale. Näh bis kurz davor, halt an, zieh den Stoff aus dem Fuß, schlag die dicke Stelle mit der Hand schmal um und näh sie mit zwei bis drei Stichen direkt über. Danach führst du die Kante wieder in die Schnecke ein wie am Anfang.

Bei rundgeschlossenen Kanten, etwa am Saum eines Rocks, endest du dort, wo du angefangen hast. Näh die letzten Zentimeter ohne Spirale, damit der Übergang flach bleibt, und verriegel mit ein paar Rückstichen. Ein sauberer Ansatz ist bei einem Rollsaum kaum unsichtbar zu bekommen, deshalb leg ihn bewusst in die hintere Seitennaht.

ProblemUrsacheLösung
Kante rutscht aus der Schneckezu gerade geführt, Stoff zu dickKante nach oben und links halten, dickeren Stoff ohne Fuß säumen
Saum wird welligzu viel Zug oder Fadenspannung zu hochZug reduzieren, Spannung eine halbe Stufe zurück
Naht läuft neben der RolleRolle flacht ab, zu wenig Nachschubanhalten, Kante neu einschlagen, weiternähen
Nahtanfang zieht sich zurückFäden nicht gehaltenFäden straff halten oder Seidenpapier unterlegen

Welche Fußbreite für welchen Stoff?

Rollsaumfüße gibt es in mehreren Breiten, üblich sind 2, 3, 4 und 6 Millimeter. Die Zahl gibt die fertige Saumbreite an, nicht die Zugabe. Je dünner der Stoff, desto schmaler darf der Fuß sein: 2 Millimeter für Chiffon und Seide, 3 Millimeter für Batist und feine Popeline, 4 bis 6 Millimeter für mittelschwere Baumwolle.

Der häufigste Fehler liegt in der falschen Richtung. Ein zu schmaler Fuß bei zu dickem Stoff verstopft die Spirale, und die Kante rutscht seitlich raus. Ein zu breiter Fuß bei sehr feinem Stoff füllt die Schnecke nicht aus, die Rolle bleibt lose und die Naht läuft daneben. Wenn du nur einen Fuß kaufst, nimm 3 Millimeter, damit deckst du die meisten leichten Webwaren ab.

FußbreitePasst zuFertige Saumbreite
2 mmChiffon, Seide, Voilesehr schmal, kaum sichtbar
3 mmBatist, feine Popeline, ViskoseAllrounder für leichte Webware
4 bis 6 mmmittelschwere Baumwolledeutlich sichtbare Saumkante

Wann der Rollsaumfuß die falsche Wahl ist

Bei Tüll, sehr weich fallendem Musselin und allem, was stark ausfranst, verlierst du mit dem Fuß mehr Zeit als du gewinnst. Diese Stoffe rollen sich in der Spirale ungleichmäßig ein, und du fasst alle zwei Zentimeter nach. Auch bei einem einzelnen kurzen Saum von 20 Zentimetern lohnt das Umrüsten kaum.

Ehrlich: Bei meinem letzten Musselintuch habe ich nach zwei Versuchen aufgegeben und die Kante zweimal schmal umgeschlagen. Das dauerte länger, sah aber besser aus. Wie das geht, steht unter Rollsaum ohne Rollsaumfuß, und für lange Kanten wie Schals ist der Rollsaum mit der Overlock die schnellere Lösung.

Häufige Fragen zum Rollsaumfuß

Welche Stichlänge nimmst du beim Rollsaumfuß?

Einen Geradstich mit 2 bis 2,5 Millimetern Stichlänge. Kürzer eingestellt zieht die Naht bei feinen Stoffen leicht Fältchen, deutlich länger eingestellt sitzt der Saum lockerer und die Rolle öffnet sich beim Waschen schneller.

Passt jeder Rollsaumfuß auf jede Nähmaschine?

Nur wenn Schaftsystem und Befestigung passen. Die meisten Haushaltsmaschinen nutzen einen Klick- oder Schraubschaft, für den es Rollsaumfüße als Zubehör gibt. Prüfe vor dem Kauf das Modell deiner Maschine, denn Fuß-Sets von Fremdherstellern sitzen manchmal minimal versetzt und der Saum wird dann ungleichmäßig.

Warum rutscht die Stoffkante immer aus der Schnecke?

Meist ist der Stoff zu dick für die Fußbreite oder du führst ihn zu gerade. Die Kante muss leicht nach oben und links gehalten werden, damit sie sich weiter einrollt. Bei sehr feinen Stoffen hilft es zusätzlich, langsam zu nähen und die Kante alle paar Zentimeter neu einzuschlagen.

Wie viel Saumzugabe brauchst du für den Rollsaumfuß?

Ein Zentimeter genügt. Der Fuß rollt nur wenige Millimeter ein, überschüssige Zugabe musst du vorher wegschneiden, sonst passt sie nicht durch die Spirale.