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Lochzange richtig verwenden: Leder, Gürtel und Ösen

Eine Lochzange kostet zwischen fünf und fünfzig Euro, und der Unterschied zeigt sich beim ersten dicken Leder. Hier steht, welche Bauart was leistet, wie du sauber lochst und wo die Grenze zur Presse liegt.

Lederwerkzeuge geordnet auf einer Schneidmatte, darunter Stanz- und Punziereisen.

Meine erste Lochzange hat einen Gürtel überlebt. Beim zweiten, aus dickerem Rindleder, haben sich die Griffansätze verbogen, und zwar dauerhaft. Ich hatte am falschen Ende gespart, aber der eigentliche Fehler war ein anderer: Ich hatte die Zange für ein Material eingesetzt, für das sie nie gebaut war.

Marlenes Tipp

Leg beim Stanzen immer ein Stück feste Pappe oder eine Kunststoffplatte unter das Material. Die Schneide des Stanzrohrs trifft sonst direkt auf das Gegenlager aus Metall, und genau davon wird sie stumpf. Ein Stück Pappe kostet nichts und verlängert die Lebensdauer der Zange deutlich.

Welche Bauarten gibt es?

Im Handel begegnen dir fünf verschiedene Werkzeuge, die alle Löcher machen, aber für unterschiedliche Aufgaben gebaut sind.

BauartStärkeGrenze
Revolverlochzangemehrere Größen in einem Werkzeug, mit Hebelübersetzung kraftsparendBilligmodelle rasten unsauber ein
Einfache Lochzangegünstig, reicht für Stoff, Filz und dünnes LederGriffansätze verbiegen bei starkem Leder
Geschmiedete ZangeGriff verbiegt sich nichtoft wenig scharf, hoher Kraftaufwand
Locheisen mit Hammererreicht auch die Mitte großer Flächenbraucht Hammer und feste Unterlage
Lochstanze oder Pressepräzise auch über 2 mm, bis etwa 8 mm Gesamtdicketeuer und sperrig

Was brauchst du also? Für gelegentliche Arbeiten an Stoff, Gurtband und dünnem Leder reicht eine solide Revolverlochzange. Wer regelmäßig mit festem Leder arbeitet, greift zu einer Zange mit Hebelübersetzung oder gleich zum Locheisen. Und wenn ein Loch mitten in einer großen Lederhaut sitzen soll, hilft keine Zange, weil ihr Maul nicht weit genug reicht. Dort ist das Locheisen konkurrenzlos.

Die Revolverlochzange im Detail

Die Revolverlochzange ist der Standard im Hobbybereich. Ihr drehbarer Kopf trägt mehrere Stanzrohre, die du durch Drehen in Position bringst.

Typische Modelle haben sechs Stufen mit 2,0, 2,5, 3,0, 3,5, 4,0 und 4,5 Millimetern. Profigeräte bieten acht Stufen und decken 1,5 bis 5,0 Millimeter ab. Eine Rastung im Kopf verhindert, dass sich das Magazin beim Stanzen verdreht, und genau an dieser Rastung erkennst du günstige Ware: Wenn der Kopf spürbar Spiel hat, fluchtet das Stanzrohr nicht exakt mit dem Gegenlager, und das Loch wird schief.

Wie hältst du sie richtig? Setz das Werkzeug senkrecht auf, halte es beim Zudrücken ruhig und stanze in einem einzigen entschlossenen Zug. Mehrere Anläufe an derselben Stelle ergeben ein ausgefranstes Loch, weil das Material beim zweiten Ansetzen nicht mehr sauber unter der Schneide liegt.

Gürtel lochen

Das ist die häufigste Anwendung überhaupt, und sie hat zwei Zahlen, die du kennen solltest.

Die Lochgröße liegt üblicherweise bei 4 oder 4,5 Millimetern. Der Abstand zwischen zwei Löchern beträgt in aller Regel 2,5 Zentimeter, und eine typische Gürtelkonfiguration sind fünf Löcher in genau diesem Abstand.

  1. Miss den Durchmesser eines vorhandenen Lochs und stell die Zange auf dieselbe Größe.
  2. Miss den Abstand zwischen zwei bestehenden Löchern mit dem Lineal nach.
  3. Übertrage diesen Abstand vom letzten Loch aus und markiere die Stelle mit Filzstift oder Kreide.
  4. Prüf, ob die Markierung mittig auf dem Gürtel sitzt, indem du von beiden Kanten misst.
  5. Stanze senkrecht und in einem Zug.

Warum diese Reihenfolge? Weil ein neues Loch, das nicht in der Flucht der anderen liegt, den Gürtel schief tragen lässt und sofort auffällt. Und weil ein zu großes Loch ausleiert, während ein zu kleines den Dorn klemmen lässt.

Verschiedene Lederwerkzeuge auf einer Schneidmatte mit Lineal.

Leder lochen: Unterlage und Technik

Bei Leder entscheidet die Unterlage über die Lebensdauer der Zange. Ohne Unterlage trifft die Schneide auf Metall und stumpft ab.

Empfohlen werden Kunststoffplatten, die als beste Lösung gelten, außerdem Hartholz und, als Option bei Stanzarbeiten mit dem Hammer, eine Bleiplatte, weil das weiche Blei den Schlag dämpft. Beim Locheisen kommt zusätzlich eine feste Schlagunterlage unter das Leder.

Woran erkennst du, dass die Zange stumpf wird? An drei Signalen: Das Leder franst am Lochrand aus, es wirkt gequetscht statt sauber durchtrennt, und du brauchst spürbar mehr Kraft als früher. Spätestens dann solltest du nachschärfen oder das Stanzrohr tauschen. Ob Leder vor dem Lochen angefeuchtet werden sollte, lässt sich übrigens nicht allgemein beantworten. Für das Punzieren, also das Prägen von Mustern, wird Leder bewusst angefeuchtet, damit sich die Werkzeuge tiefer eindrücken. Für das reine Stanzen findet sich in den Fachquellen keine entsprechende Empfehlung, und der Punzier-Hinweis lässt sich nicht einfach übertragen.

Ösen einschlagen

Eine Öse besteht aus zwei Teilen: dem Oberteil mit dem Schaft und dem Unterteil, einem Ring mit umlaufender Einbuchtung. Beim Verpressen legt sich der Schaft in diese Einbuchtung und hält die Öse fest.

Die wichtigste Regel dabei ist kontraintuitiv: Das vorgestanzte Loch muss kleiner sein als der Innendurchmesser der Öse. Nur dann sitzt sie beim Verpressen fest im Material. Wer das Loch zu groß stanzt, hat eine Öse, die sich mitdreht und bei Belastung herausrutscht.

ÖsengrößeTypischer Einsatz
4 bis 7 mmJacken, Sweatshirts, Schuhe
10 bis 17 mmTaschen, Dekoration
17 bis 40 mmVorhänge, Gardinen, Planen

Und das Werkzeug? Am bequemsten ist eine Ösenzange, die Stanzen und Pressen in einem Gerät vereint. Alternativ nimmst du ein Locheisen für das Loch und ein separates Setzwerkzeug plus Hammer für die Öse. Prym führt genormte Größen von 0B mit 8 Millimetern bis 14B mit 29 Millimetern Innendurchmesser, kleine Sets gibt es mit 4, 5 und 8 Millimetern.

Stoff und Gurtband lochen

Hier liegt ein anderes Problem als bei Leder: Das Material franst aus und reißt unter Zug am Loch ein.

Deshalb gehört bei dünnen oder locker gewebten Stoffen vor dem Lochen eine Verstärkung an die Stelle, am einfachsten ein aufgebügeltes Stück Vlieseline. Bei Gurtband aus Kunstfaser kannst du die Lochkante zusätzlich mit einer Feuerzeugflamme kurz versiegeln, weil Polyester und Polypropylen schmelzen statt zu brennen. Bei Baumwollgurtband funktioniert das nicht, dort helfen klarer Nagellack oder etwas Holzleim.

Wie groß soll das Loch bei Stoff sein? Eher knapp, weil Gewebe unter Zug nachgibt und sich das Loch von selbst weitet. Bei Gurtband, in das später eine Öse kommt, gilt ohnehin die Regel von oben: Das Loch muss kleiner sein als der Innendurchmesser der Öse.

Ein Warnhinweis dazu: Die Flammenmethode ist für Kordel- und Gurtbandkanten gedacht, nicht für flächiges Kunstleder. Kunstleder ist deutlich leichter entflammbar als echtes Leder, und eine offene Flamme richtet dort schnell mehr Schaden an als der ausgefranste Rand.

Was ist mit dem Gegenlager?

Das Gegenlager, fachlich die Matrize, ist das Gegenstück zum Stanzrohr. Es nimmt den ausgestanzten Abfall auf und muss exakt mit der Schneide fluchten.

Warum ist das so wichtig? Weil ein verzogenes oder zu weiches Gegenlager dazu führt, dass die Schneide nicht vollständig durchtrennt, sondern das Material quetscht. Das Ergebnis sind ausgefranste Lochkanten, und zusätzlich nutzt sich der Stempel schneller ab. Bei Revolverzangen erkennst du ein gutes Gegenlager daran, dass es sich beim Zudrücken nicht verschiebt und keine sichtbaren Dellen von früheren Stanzvorgängen zeigt.

Ob das Gegenlager bei guten Zangen typischerweise aus Messing oder aus Kunststoff besteht, lässt sich anhand der verfügbaren Herstellerangaben nicht eindeutig sagen. Belegt ist nur, dass hochwertige Stanzsätze insgesamt aus gehärtetem Stahl bestehen und teilweise Messing verarbeitet wird.

Qualität erkennen und Zange pflegen

Gute Stanzrohre bestehen aus gehärtetem Stahl und behalten ihre scharfe Kante über viele Löcher. Erkennbar ist Qualität an vier Dingen: einer sauber schneidenden Kante, austauschbaren Stanzrohren, einem rutschfesten Griff und einer spielfreien Verstellung des Kopfs.

Warum sind austauschbare Rohre so wichtig? Weil sich bei fest verschraubten Modellen ein einzelnes abgenutztes Rohr per Inbusschraube ersetzen lässt, statt die ganze Zange wegzuwerfen. Bei fest vernieteten Billigzangen geht das nicht.

Ein weiteres Merkmal ist das Gewicht in der Hand. Eine Zange, die sich auffällig leicht anfühlt, hat meist dünnwandige Griffe aus Blech, und genau die verbiegen sich beim ersten festen Leder dauerhaft.

Zur Pflege gehört wenig: Nach jeder Nutzung reinigen und trocknen, damit sich kein Rost bildet. Eine stumpf gewordene Schneide lässt sich mit einer Diamantfeile nachschärfen, innen mit einer runden, außen mit einer flachen Feile. Als Richtwert aus der Stanztechnik gilt, dass ein Werkzeug nachgeschärft werden sollte, sobald die Kante auf einen Radius von rund 0,25 Millimetern abgenutzt ist, und dass regelmäßiges leichtes Nachschärfen effektiver ist als das Warten bis zur völligen Stumpfheit.

Sicher arbeiten

Eine Lochzange ist ein Schneidwerkzeug, auch wenn sie harmlos aussieht. Zwei Dinge gehen regelmäßig schief.

Was geht schief? Erstens die Hand unter dem Material. Wer den Gürtel mit der freien Hand direkt unter der Stanzstelle festhält, riskiert bei einem Abrutscher genau dort einen Treffer. Halte das Werkstück seitlich fest oder leg es auf eine Unterlage, statt es in der Luft zu halten.

Zweitens der Kraftaufwand. Wenn du mit vollem Gewicht drückst und die Zange plötzlich durchrutscht, weil das Material nachgibt, schlagen die Griffe zusammen. Bei geschmiedeten Zangen mit harten Griffen ist das schmerzhaft. Arbeite deshalb kontrolliert und wechsle das Werkzeug, sobald du merkst, dass du an die Kraftgrenze kommst.

Und die Stanzabfälle? Die kleinen Materialscheiben sammeln sich im Gegenlager und fallen irgendwann heraus. Klopf sie nach ein paar Löchern aus, sonst verstopft das Lager und der nächste Stanzvorgang wird unsauber, weil der Stempel nicht mehr vollständig durchgeht.

Wann reicht die Zange nicht mehr?

Die Grenze liegt bei etwa 2 Millimetern Materialstärke. Bis dahin kommt eine gute Handzange, idealerweise mit Hebelübersetzung, zurecht.

Darüber wird es mühsam und die Ergebnisse werden ungleichmäßig, weil die Handkraft nicht mehr reicht, um das Rohr sauber durchzudrücken. Dann ist eine Handpresse mit Stanzeinsatz die bessere Wahl, und Hebel-Handpressen schaffen Gesamtstärken bis etwa 8 Millimeter, also auch doppelt gelegte Lederriemen.

Bei mehreren Lagen kommt ein zweiter Effekt dazu: Die Lagen verschieben sich beim Stanzen gegeneinander, und die Löcher liegen anschließend nicht mehr übereinander. Fixiere sie deshalb vorher mit Klebeband oder einer Klammer, oder stanze jede Lage einzeln und richte sie danach aus.

Woran merkst du, dass du an der Grenze bist? Daran, dass du die Zange mit beiden Händen und vollem Körpergewicht zudrücken musst und das Loch trotzdem nicht sauber ist. Das ist kein Zeichen mangelnder Kraft, sondern ein Werkzeugproblem. Bevor du eine Presse kaufst, lohnt aber der Blick auf ein Locheisen mit Hammer, das deutlich günstiger ist und auch durch starkes Blankleder gleitet.

Häufige Fragen zur Lochzange

Welche Lochgröße braucht man für einen Gürtel?

Meist 4 oder 4,5 Millimeter, das sind die Standardgrößen für Gürtelarbeiten in üblichen Zangensets. Die sicherste Methode ist trotzdem, den Durchmesser eines vorhandenen Lochs abzugleichen, bevor du stanzt. Der Dorn der Schnalle muss leicht durchgehen, ohne dass das Loch ausleiert.

Wie groß ist der Lochabstand bei einem Gürtel?

Üblich sind 2,5 Zentimeter zwischen zwei Löchern. Wenn du ein Loch ergänzt, misst du den Abstand der vorhandenen Löcher nach und überträgst genau diesen Wert, statt nach Gefühl zu setzen. Eine typische Konfiguration sind fünf Löcher im Abstand von 25 Millimetern.

Was ist eine Revolverlochzange?

Eine Lochzange mit drehbarem Kopf, in dem mehrere Stanzrohre unterschiedlicher Größe sitzen. Übliche Modelle haben sechs Stufen von 2,0 bis 4,5 Millimetern. Der Kopf wird gedreht, bis die gewünschte Größe mit dem Gegenlager fluchtet, und rastet dort ein.

Warum franst mein Loch aus?

Meist wegen eines stumpfen Stanzrohrs, zu wenig Druck oder eines zu weichen Materials. Stanze in einem entschlossenen Zug statt in mehreren Anläufen, prüf die Schneide auf Abnutzung und leg bei Stoff und Gurtband eine Verstärkung unter. Ein ausgefranstes Loch ist fast immer ein Werkzeugsignal.

Was ist der Unterschied zwischen Lochzange und Ösenzange?

Eine Lochzange stanzt Material aus, eine Ösenzange presst eine Öse in ein bereits vorhandenes Loch. Es gibt Kombigeräte mit drehbarem Magazin, die beides können. Für Ösen brauchst du also immer zwei Arbeitsschritte, auch wenn ein Werkzeug sie erledigt.

Bis zu welcher Materialdicke reicht eine Handlochzange?

Einfache Handzangen kommen bis etwa 2 Millimeter Lederstärke gut zurecht. Darüber, und besonders bei mehreren übereinanderliegenden Lagen, wird eine Handpresse oder ein Locheisen mit Hammer nötig. Hebel-Handpressen schaffen Gesamtstärken bis rund 8 Millimeter.